Nicole en un otro mundo

Mein Auslandssemester in Puebla/Mexiko

Ahorita – mein Unialltag Mittwoch, 26. September 2007

Filed under: Alltag,Studium — spifra @ 3:27 am

Ich habe nur drei Kurse belegt und zweimal die Woche, dienstags und donnerstags, fahre ich zur Schule. Das ist ja schon an sich nicht viel. Hinzu kommt, dass die Kurse ständig später anfangen, früher enden, der Lehrer gar nicht erscheint oder der Kurs an sich einfach nur ausfällt. Es kommt auch des Öfteren vor, dass ein Kurs nach fünf Minuten Unterricht bereits vorüber ist. Mit anderen Worten: ich verbringe unheimlich viel Zeit mit Däumchen drehen. Ein Glück sind meistens einige Freunde in der Nähe, die stets für ein Schwätzchen zu haben sind. Ansonsten gibt es nämlich nicht viel zu tun an meiner Fakultät. Sie liegt, um es bildlich zu formulieren, am Arsch der Welt, in Angelopolis, einem Stadtteil am Rande Pueblas. Ich fahre eine sehr weite Strecke quer durch die Stadt, um dorthin zu kommen. Nebenan befindet sich die angesehene private Uni Tec de Monterrey, die praktisch ihre Schatten auf meine kleine Schule wirft. Ansonsten viel Wiese, Wald, eingezäunte Wohnsiedlungen, ein wenig weiter weg Autohäuser und Einkaufszentren. Es gibt also so gar nichts zu tun in meinen langen Pausen. Die Fakultät besteht aus drei kleinen zweistöckigen Gebäuden mit jeweils ca. acht Klassenräumen. Ihr könnt Euch also vorstellen, wie klein dieser Komplex ist. Hier kennt jeder jeden. Selbst Studenten und Professoren grüßen sich, teilweise mit Wangenkuss.

Die Studenten sind alle superjung. In der Regel beginnen sie ihr erstes Semester zwischen 16 und 18. Das heißt, in meinen Kursen aus dem 5. und 7. Semester liegt der Altersdurchschnitt bei 20. Denselbigen treibe ich mit meinen 28 merklich in die Höhe. Der gesamte Unterricht verläuft sehr schulisch. Die Kurse bestehen aus 20 bis 30 Studenten. Es gibt Hausaufgaben, die werden auch abgefragt und vorgelesen, die Studenten partizipieren am Unterricht, der Lehrer stellt Fragen, die Schüler melden sich und es gibt mündliche Noten. Manchmal fühle ich mich zurückversetzt in die 8. Klasse. Der Umgang zwischen Lehrern und Schülern ist allerdings sehr locker. Es werden viele Späßchen gemacht. Außerdem wird in einer Tour gequatscht, telefoniert, der Raum verlassen und wieder betreten.

Damit ihr Euch mal ein Bild machen könnt, wie mein Unialltag hier aussieht, erzähle ich Euch als Beispiel vom heutigen Tag:

Unterricht von 10-16 Uhr, drei Kurse. Ich stehe rechtzeitig um 8 Uhr auf, frühstücke, verlasse meine Wohnung und mache mich auf den Weg zum Bus. Unterwegs stoße ich auf den Gasmann. Hier wird das Gas in der Straße verkauft. Pickups beladen mit Gasflaschen fahren den ganzen Tag über durch die Straßen und kündigen sich durch eine hübsche Melodie über Lautsprecher an. Wer Gas will, muss auf die Straße springen und laut hier rufen. Fein. Wieso interessiert mich der Gasmann? Wir haben seit Sonntag kein Gas mehr. Kurze Planänderung. Ich entscheide mich gegen Kunstgeschichte um zehn und für das Gas, eine warme Dusche und ein warmes Essen am Abend. Ich renne also rüber zum Gas-Pickup, bitte den netten Mann, er solle uns doch bitte eine Flasche Gas vorbeibringen. Ich solle schon mal vorgehen und unten an der Tür auf ihn warten. Er komme gleich, „ahorita“, wie man hier so schön sagt. Ich gehe also zurück zum Haus, und warte 30 Minuten vor dem Haus, bis das Gas endlich kommt. Wir steigen aufs Dach, wo die Flasche gewechselt wird, ich bezahle bar, gracias, adios. Ich kehre zurück in die Wohnung, surfe ein wenig im Internet bis ich mich auf den Weg zum Kurs um 12 mache. Der Bus, der mich zu meiner Schule bringt, kommt ein Glück sofort – er fährt nämlich nur im 15- bis 40-Minuten-Takt. Ich komme in der Schule an, quatsche mit Freunden, erfahre, dass sie in Kunstgeschichte einen Film geschaut haben. Habe nichts verpasst. Um 12.20 Uhr gehe ich zu meinem 12-Uhr-Kurs. Der hat noch nicht angefangen. Ich geh noch mal raus, quatsche weiter mit Freunden. Um 12.30 Uhr gehe ich wieder in den Raum. Der Kurs ist schon beendet. Wie? Schon beendet? Ja, ich müsse mich nur noch in der Anwesenheitsliste abhaken lassen. Ach ja, und wir haben eine Hausaufgabe fürs nächste Mal. Noch zwei Stunden bis zu meinem dritten Kurs um 14.30 Uhr. Ich quatsche wieder eine Weile mit Freunden, esse ein Sandwich, treffe andere Freunde. Um 14 Uhr erfahre ich, dass der letzte Kurs ausfällt. Wegen Prüfungen. Klar. Ich bleibe noch ein Weilchen. Eine Freundin ist so nett und fährt mich im Auto nach Hause. Ich gehe zur Wäscherei um die Ecke, um meine Wäsche abzuholen, die ich gestern abgegeben habe. „Wie ist ihr Name?“ „Bornemann.“ „Wie?“ „Bornemann.“ Kann sich der junge Mann einfach nicht merken. Bringe meine Wäsche ja auch erst seit zwei Monaten hierher. „Wann haben Sie die Wäsche abgegeben?“ „Gestern.“ „Gestern?“ „Ja, gestern.“ Er kann die Wäsche nicht finden, ich solle später (ahorita) wiederkommen. Jut. Alles wie immer. Ab nach Hause, ein bisschen schlafen, entspannen, Nudeln mit Tomatensoße kochen … wieder ein Tag geschafft.

 

Da hab ich ja ordentlich viel geschrieben. So viel will ja kein Mensch lesen … Ok, ich werd mich bemühen, häufiger und dafür weniger zu schreiben.

In Kürze folgt noch ein Bericht vom Dia de la Independencia am 16. September, den wir in Cuetzalan verbracht haben. Ich war bisher bloß zu faul, darüber zu schreiben.

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3 Responses to “Ahorita – mein Unialltag”

  1. Thomas Says:

    Cooler Bericht aus Mexico, danke dafür 🙂
    Klingt ja alles sehr, sehr entspannt. Hach! Das hätte ich hier in Bayern auch gern mal 😉

    Viel Spaß noch!

  2. Judicha del Capital Federal Says:

    Hey Nicolita-me encanta tu reporte, este estado es igual de Argentina-que divertido…Realmente
    hasta luego boluda:)

  3. Daniela Durán de la Torre Says:

    Schon lange dass ich nicht so viel gelacht habe wie heute die ich dieser lustige Bericht gelesen habe! 😉 so funny! Yeah, I remember about the church you were always complaining about hehe 😉 (das Video ist ganz lustig!! haha, ich habe es schon gesehen),, und wie gehts? Schon lange mit dir nicht geredet 😦


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