Mit fahrendem Volk in Taxco und Guanajuato
Vor zwei Wochen traf meine Mitbewohnerin Julie zufällig ihren alten Freund Jonathan in Puebla. Der reist seit zwei Jahren durch Lateinamerika. Zusammen mit seinem Freund Christian war er auf dem Weg nach Taxco, seine Heimatstadt, und lud uns ein, mitzukommen. Da musste er nicht lange fragen. Klar sind wir mitgereist. Zu viert ging es an einem Freitag Nachmittag per Anhalter los Richtung Taxco. Die Silberstadt im Bundesstaat Guerrero liegt etwa 350 km entfernt von Puebla und wir haben rund 12 Stunden gebraucht, um dort anzukommen, da uns jede Mitfahrgelegenheit immer nur wenige Kilometer weitergebracht hatte. In Taxco haben wir bei Freunden übernachtet und die meiste Zeit Jonathan und Christian bei ihrer Arbeit zu gesehen: Jonglieren mit Feuerpois, Henna-Tatoos machen und Gitarre spielen.
Am Sonntag sind wir mit Jonathans Mutter und einigen Freunden nach Ixcateopan gefahren, zu acht in einem Auto. Wir wollten die Überreste Cuahtemócs, dem letzten aztekischen König, besuchen, die dort in einer Kirche aufbewahrt werden. Leider war die Kirche geschlossen. Dafür haben wir eine Einwohnerin des Dörfchens kennen gelernt, die vor einigen Jahren in ihrem Garten das Grab einer Gruppe Azteken entdeckt hatte. Die ausgegrabenen Überreste und Grabbeigaben bewahrt sie nun in mehrere Plastiktüten aufgeteilt in zu einem Altar umfunktionierten Regal in ihrem Haus auf. Wir durften uns diese Funde anschauen. Ich fand es unglaublich, dass sie die Knochen, Schädel und Gefäße in ihrem Haus behalten durfte und sie nicht in ein Museum verfrachtet wurden. Und vor allem fand ich es unglaublich, dass sie anderen Leuten erlaubte, die ganzen Funde anzufassen. Das trägt sicherlich nicht zum Erhalt der Gegenstände bei.
Eine Woche später trafen wir Jonathan in Guanajuato, wo gerade das große Kulurfestival Cervantino stattfindet. Wieder sind wir tagtäglich durch die Straßen gezogen, um hier und da ein paar Pesos zu verdienen. Dabei haben wir unheimlich viele Leute kennen gelernt, vor allem Hippies und Reisende, die ebenfalls nach Guanajuato gekommen waren, um mit Trencitas (keine Ahnung wie die Dinger auf Deutsch heißen), Henna-Tatoos, Musik und Verkauf von handgemachtem Schmuck ein paar Pesos zu verdienen.
Eines Abends trafen wir Arturo mit seinem über und über mit Schlamm bedeckten Jeep. Er lud uns – gastfreundlich wie die Mexikaner sind – zu einer Tour durch die Sierra ein. Wir sind kreuz und quer durch die Landschaft und zwar in einem affenschnellen Tempo. Wir sind in die Berge gefahren, durch Flussbetten gedüst und durch abgelegenen Dörfer gekurvt. Die erste Stunde im Jeep habe ich wirklich Todesängste ausgestanden. Dann siegte das Adrenalin. Am Abend schmerzte der ganze Körper, wir waren wir total fertig und voller blauer Flecke. Aber schön wars.
Hi Nicole, hast du ein aufregendes Leben in Mexiko – ist ja glatt zum neidisch werden! Viele Spass noch